Nach über 50 Jahren sind sie ihrer Zeit voraus

SL – Statussymbol und Lifestyle

Schon bald wurde deutlich, dass die Buchstaben S und L statt der ursprünglichen Bedeutung “sportlich leicht” hier eher für Statussymbol und Lifestyle stehen könnten. Denn während sportliche Fahrer woanders Kaufverträge unterzeichneten, zeigten sich Stars wie Grace Kelly und Frank Sinatra gerne im 190 SL. Auch auf Werbefotos und in Filmen war er häufig zu sehen.

Unter den berühmten Besitzern waren unter Anderem Gina Lollobrigida, Zsa Zsa Gabor, Ringo Starr und Alfred Hitchcock. Der bis heute mit dem Auto am Meisten verbundene Name lautet jedoch Rosemarie Nitribitt. Sie arbeitete als Edelprostituierte in Frankfurt/Main. Ihr Markenzeichen war ein schwarzer 190 SL mit roten Ledersitzen, dessen Herkunft nicht 100%ig geklärt ist. Ob sie wirklich soviel Geld bei ihren Freiern aus Wirtschaft und Politik verdiente oder den Wagen von einem ihrer Kunden geschenkt bekam, liegt im Dunkel der Geschichte. Ebenso die wirklichen Umstände ihres plötzlichen Todes Ende Oktober 1957, als sie ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wurde. Der Fall beschäftigte damals ganz Deutschland wochenlang und sorgte in seiner Folge für viele Vertragsstornierungen von 190 SL-Kunden, die kein Fahrzeug mit “fragwürdigem Ruf” fahren wollten.

Der Wagen erinnert nicht ohne Eigennutz klar an den großen Bruder 300 SL. Zum Einen sollte so die Markenzugehörigkeit demonstriert werden, zum Anderen sollte der “kleine SL” natürlich auch vom sportlichen Ruhm des Großen profitieren. Gegenüber diesem hat die Motorhaube nur einen Powerdome. Anfangs sollte es den 190 SL lediglich in silber geben, was jedoch kurze Zeit später geändert wurde. Bis 1957 gab es 12 Serienlackierungen, ab ’57 schließlich 39 Farbtöne. Vergleichen Sie das einmal mit heutigen Farbkarten.

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Presse-Echo zum Mercedes-Benz 190SL (W121)

Sehr erfreut dürften nun viele Fans des Mercedes-Benz 190 SL sein, denn Recherchen in den Archiven von Mercedes-Benz Classic führten unlängst zu der überraschenden Erkenntnis, daß bei der Mille Miglia 1956 auch ein 190 SL teilnahm. Diese Information wurde durch die im Museo Mille Miglia in Brescia archivierten Unterlagen bestätigt. 

Der 190 SL wurde zur Mille Miglia 1956 vom französischen Fahrerteam Bianco/Pellecuer gemeldet. Er hatte die Startnummer 347, entsprechend einer Startzeit von 3:47 Uhr morgens, und belegte nach einer Fahrzeit von 16 Stunden, 6 Minuten und 15 Sekunden Platz 121. Der Grund, weshalb die damalige Teilnahme des 190 SL weitgehend unbekannt war, ist wohl auch darauf zurückzuführen, daß das Fahrzeug in den offiziellen Mitteilungen seinerzeit nur als Mercedes – ohne weitere Typenbezeichnung – genannt ist.

 

Automobil-Revue 11/1956:

„Mit seiner eleganten Form und der flachen Motorhaube mit der neuen, von den Sportwagen übernommenen niedrigen und breiten Kühlerfront wird der Mercedes 190 SL allgemein als die schönste Schöpfung des Hauses Daimler-Benz betrachtet.“

Sports Car World führte im April 1957 aus:

„Der 190 SL ist ein ideales Straßenauto, das sich leichter als ein 300 SL handhaben lässt. Der 190 SL ist so aufregend wie der 300er auch – in einer ruhigen subtileren Weise. Im 300 SL ist man im Straßenverkehr einfach überbewaffnet, während man mit dem 190 SL gerade richtig bestückt ist. Der 190 SL verfügt über gleich exzellente Lenkeigenschaften, fährt sich genauso sicher, ein vollsynchronisiertes Getriebe, die gleiche Verarbeitungsqualität und eine bessere Hinterradaufhängung. Als sportliches Straßenauto … kommt der 190er unserem Sinn für Perfektion recht nahe.“

Auto Motor und Sport hielt in der Ausgabe 15/1960 fest:

„Seinen guten Ruf verdankt der 190 SL nicht nur seinem eleganten Aussehen, sondern ebenso seiner Robustheit und Zuverlässigkeit und seinen sauberen Fahreigenschaften. … Der 190 SL hat sich vieltausendfach bewährt, seine Besitzer sind zufrieden. Fahrsicherheit, Straßenlage Fahrleistungen sind einwandfrei, Karosserie und Verarbeitung sind hervorragend.“

Road & Track schrieb im Testbericht 11/1955:

„Das Herausragendste am 190 SL ist ohne Zweifel die Qualität seiner Konstruktion und Verarbeitung. Das Auto vermittelt augenblicklich ein starkes Gefühl von Solidität.“

Die ADAC-Motorwelt fasste den Testbericht der Ausgabe 6/1956 zusammen:

„Abschließend sei der 190 SL nochmals kurz gekennzeichnet: Der Bequemlichkeit und Raumaufteilung nach ein Reisewagen, aber mit Sportwagen angenäherten Reiseleistungen, einem besonderen Maß an Fahrsicherheit, den Verbrauchsziffern eines Durchschnitts-Tourenwagens, dazu von einer ausgesuchten Eleganz der Linie und gediegenster Ausstattung.“

Presse-Echo zur Mercedes-Benz Pagode (W113)

All the pleasures of sports car driving – and none of the privations (Amerikanische Werbung aus 1970)

Autocar bemerkte zur Präsentation im März 1963:

“Sportwagen haben große Fortschritte gemacht seit den Tagen, da sie schwer zu fahren waren, wenig Platz boten und kaum vor dem Wetter schützten. Mit anderen Worten: nach heutiger Auffassung ist der Sportwagen ein voll ausgestatteter, raffinierter Wagen für lange Touren in allen Klimabereichen mit genügend Stauraum für zwei Personen. Der 230SL entspricht voll und ganz diesem Konzept.”

Car & Driver fügte hinzu:

“Die eckigen Linien der Karosserie erzeugen sehr wenig Windgeräusche (außer wenn das Fenster offen ist), und die Richtungsstabilität stellt nie ein Problem dar. Der 230SL scheint Windböen gegenüber noch weniger empfindlich zu sein als das 220 SE Coupé.”

Road & Track konstatierte in der Ausgabe 08/1968 dem 280 SL:

„Das Fahren ist auf jeglichen Straßen fantastisch. Die Karosserie bietet hohe Steifigkeit und Geräuschfreiheit, unabhängig vom verwendeten Dach, und die geschmeidige Federung arbeitet einfach vor sich hin, ohne das superbe Schweben des SL zu stören.“

Der Motorjournalist Bernard Cahier schrieb:

“Die Karosserie ist rundum wundervoll verarbeitet, und das luxuriöse, geschmackvolle Interieur ist von höchster Qualität. Das wohl durchdachte Armaturenbrett ist sehr elegant, und alle Instrumente sind auf eine klare Weise zu einer kompakten
Einheit zusammengefaßt.”

Auto Motor und Sport charakterisierte die Pagode in Heft 6/1963,:

„Ein Sportwagen, der 200 km/h erreicht, in weniger als 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und dabei den weichen Motorlauf und den Komfort eines Tourenwagens besitzt.“ Und ergänzte im ausführlichen Testbericht (Heft 21/1963) weiter: “Das Fazit: der 230 SL ist einer der kultiviertesten Sportwagen, die es je gegeben hat. Trotzdem verdient er, zu den echten sportlichen Fahrzeugen gezählt zu werden, denn er erreicht nicht nur sportliche Leistungen, sondern ist auch so handlich und fahrsicher, wie man es von einem Sportwagen erwarten muss. [...] Und schließlich: man kann den 230 SL zwar sehr schnell fahren, aber man kann mit ihm auch das Bummeltempo einhalten, das der Straßenverkehr einem so häufig aufzwingt.“

AutoBild titelte im Juli 2013 zum fünfzigsten Geburtstag der Pagode:

“Der coolste Mercedes aller Zeiten.”

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